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04.11.2009
09:56

Tschüss, Preisdruck?!

Tschüss, Preisdruck?!

Na klar, das ist doch logisch: Da war 'ne tolle Neuigkeit in meiner Mailbox. Da fragt mich heute (nach ca. 30 Jahren in dem Geschäft) jemand, ob „ich die aktuelle Krise auch merke?“ Und ob „ich schon den Kostendruck von allen Seiten spüre?“ Oder ob „ich im Preiskampf mit meinen Wettbewerbern stehe?“ Und ob „ich nach Anregungen suche, im Verdrängungs-Wettbewerb nicht auf der Strecke zu bleiben...?“


Hallo? War ich die letzten 25 Jahre nicht auf dieser Welt? Wir alle haben es jetzt lange und oft genug gehört und es hängt mir zum Hals heraus. Denn es ist tatsächlich der älteste Hut, den man finden und sich aufsetzen kann.


Aber: Der junge Mann hat für alle meine Problemchen das Heilmittel schlechthin gefunden. Er nimmt einfach das auf, was die Werber immer wieder den Kunden ihrer Kunden auch sagen: Rückt ein paar Euros raus (das nennt sich dann „Investment“), dann könnt selbst ihr Probleme lösen, die Ihr ohne das Investment nicht hattet.


Das ist doch genial! Einfach eine Kiste mit Software kaufen, und schon ist alles prima. Der Laden brummt und die Welt ist in Ordnung...! Wie schon gesagt – irgendwie habe ich die letzten mehr als zwei Dekaden auf einem anderen Planeten verbracht.


Also nochmal fürs Poesie-Album: Keine Software dieser Welt löst Probleme. gelöst werden die mit Ideen und Einfällen. Oder auch einfach mit guter Arbeit. Weiterhin schützt eine Software auch nicht vor Preisdruck im Wettbewerb. Es sei denn, diese Software wird von den Leuten benutzt, die sich ansonsten mit der „Eh da“ - Kalkulation* über Wasser halten. Andererseits könnte es natürlich auch sein, dass der Preisdruck vielleicht durch eine gleich geschaltete Kalkulation mittels standardisierter Software zustande kommt.


Wie wäre es denn mal mit einem anderen Ansatz:
Konzentration auf das, was für jeden unserer Kunden besonders attraktiv sein sollte. Gut gemachte Kommunikationsarbeit!


Dann stellt sich nur noch eine einzige Frage: Gibt es denn auch Kunden, die daran noch interessiert sind? Oder ist auch dieser Markt schon so ausgetrocknet, dass man auch hier lieber an den Symptomen herum werkelt, statt sich mit den (teilweise durchaus schmerzhaften) Ursachen zu beschäftigen.


Aber statt Lotto zu spielen, können wir (die Zunft der Kommunikationies) dann die Kohle schon besser in Software stecken. Dann haben wir es ja wenigstens nachvollziehbar und abschreibbar versucht.


Also ich verreise jetzt lieber wieder, zurück in die Zukunft. Irgendwie bin ich derzeit dann doch auf dem falschen Planeten.



* „Eh da“ - Kalkulation kommt aus dem Rheinischen und steht für alle, die immer noch der Meinung sind, ihre Mitarbeiter und jede Form von Equipment sei ja „eh da“ und in sofern nicht kostenrelevant.

Rainer Plum(pl@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Rainer Plum
01.09.2009
16:01

Du willst es doch auch ?!

Du willst es doch auch ?!

Eine internationale Studie der Nürnberger GfK-Konsumforscher hat herausgefunden, dass nur noch Politiker unglaubwürdiger sind als Werbeleute, wir liegen knapp vor den Staatslenkern auf Platz 19. Dass Journalisten und Marketingleute ebenfalls auf den hinteren Plätzen gelandet sind, zeigt, dass das Vertrauen nicht nur bei der Werbung, sondern bei der gesamten öffentlichen Kommunikation fehlt. Die Werbung lügt und was in der Zeitung steht, soll man sowieso nicht glauben.


Interessant ist allerdings die Beobachtung, dass Werbung und Medienaussagen trotzdem Wirkung zeigen.Wenn etwas nur oft genug in Print, Radio und TV wiederholt wird, dann gilt es doch als allgemein gültig. Coca Cola ist die ultimative Erfrischung, Knoppers ein gesunder Pausensnack, RWE tut viel für den Klimaschutz, nur die FDP hat Ahnung von Wirtschaft, die Schweinegrippe wird uns alle ausrotten und die Abwrackprämie ist 'ne prima Sache. Richtig? Oder war das nicht doch irgendwie anders?


Sollen wir nun versuchen, wieder glaubhaft zu sein, aber Gefahr laufen, dass die Werbung nicht mehr funktioniert? Wie würde ein Konsument darauf reagieren, wenn wir sagen:


Kauf mein Produkt, es ist zwar nicht besser als die anderen, es macht weder dein Leben besser, noch steigert es deine Attraktivität, aber wenn Du es schon kaufst, dann doch bitte bei uns. Denn wir wollen dein Geld so gerne haben!“


Ich wage mal zu behaupten: Das kauft kein Mensch! Vielleicht ein paar besonders humorvolle Leute. Werber dürfen also entweder ehrlich sein oder erfolgreich. Und die Menschen, die sie als unglaubwürdig abstempeln, sind genau die, die sich nachher doch von der Botschaft beeinflussen lassen. Wie die Lemminge laufen Sie in den Elektronik-Fachhandel, wenn die Finanzierung nullprozentig ist oder in den Baumarkt, wenn es 20% Rabatt gibt. Selbstloses Unter-Wert-Verkaufen der Waren vorausgesetzt.


Aber stimmt das so tatsächlich? Oder gibt es da in der Erhebung nicht ein paar gesellschaftliche Gruppen, für die diese Regeln so nicht gelten? Sieht man sich die Top-Vertrauensleute an, so muss man sich schon die Frage stellen, ob des da ein “Immun-Gen” gibt, mit dem man sich trotz himmelschreiender Unzulänglichkeit, trotz Abkehr von allen Grundprinzipien des Berufsstandes (nachzulesen bei z.B. bei Eskulap, in unseren Grundgesetzen oder im Handbuch der Pädagogik) offensichtlich immer als besonders vertrauenswürdig darstellen kann.


In die Gefilde der vertrauenswürdigen Ärzte, Lehrer und Feuerwehrmänner dürfen wir Werber also nur aufsteigen, wenn wir uns entweder dieses Anti-Vertrauensschwund-Gen irgendwie auch beschaffen. Oder wir machen es wie mit allen Produkten und Dienstleistungen, die nicht gut genug wahrgenommen werden: Wir nennen Sie einfach um, tun so als wäre tatsächlich neuer Wein in den neuen Schläuchen und fühlen uns danach dann einfach besser. Zumindest so lange, bis alle Leute, die an der nächsten Umfrage teilnehmen wiederum zu dem Schluss kommen, dass wir so überflüssig sind wie ein Kropf. Nur: Wer stellt Ihnen denn dann noch diese Fragen? Und warum?

Kerstin Dressen(kd@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Kerstin Dressen
29.06.2009
15:33

Wer nicht will, der muss eben. Oder wie?

Wer nicht will, der muss eben. Oder wie?

Gleich im Betreff wirkt der Brief, der uns in die Agentur flatterte ziemlich bedrohlich offiziell:

 

Terminvereinbarung zum Ausschluss des Haftungsrisikos Ihrer Firma nach § 1 BetrAVG – Wichtige Information für Unternehmer.

 

Es gibt ja in der Regel eine Menge Mailings, die uns suggerieren wollen, ebensolche nicht zu sein, aber dies ist wieder mal eine besonders interessante Form. Der Mitarbeiter der xy-Versicherung möchte ganz dringend bei uns vorbeikommen, um uns über die Gefahren des oben genannten Paragraphen zu unterrichten. Sollten wir diesen Termin nicht wahrnehmen, entsteht ein erhebliches finanzielles Risiko. Unverantwortlich eigentlich. Wie kann man da noch Nein sagen?

 

Nun, mit der Pistole auf der Brust geschäftliche Entscheidungen treffen, das erinnert mich irgendwie an Sizilien (Metaphorisch. Sie wissen, was ich meine). Aber es ist ja Krise. Da muss man wohl zu drastischen Mitteln greifen, um sich einen Kunden zu schießen (Kunden durch Überzeugung zu gewinnen war gestern).

 

Uns gewinnen Sie allerdings nicht, auch wenn wir nicht zu derart drastischen Mitteln greifen. Wir machen den Vogel Strauß (ignorieren einfach die Gefahr), nutzen die Schwerkraft (zur Ablage des Mailings im kreisrunden Ordner) und stellen durch entsprechend Kommentare sicher, dass gute, zielgerichtete Kommunikation (wie z.B. hier) irgendwie anders aussehen sollte.

Kerstin Dressen(kd@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Kerstin Dressen
06.05.2009
12:35

In der Krise nicht gießen!

In der Krise nicht gießen!

Wenn einer dafür geeignet ist, aus allem einen Trend zu machen und diesen auch noch mit einem schicken Begriff zu schmücken, dann ja wohl die Marketing-Branche. Und es ist wieder soweit, der neueste Coup heißt:

 

"Rezessions-Marketing"

 

Marketing in Zeiten der Krise - wie funktioniert das eigentlich? Agenturen und ähnliche Dienstleister haben wieder etwas gefunden, sich vom Wettbewerb abzuheben.

 

So berichtet uns z.B. das Wirtschaftsblatt Niederrhein in seiner aktuellen Ausgabe, in Zeiten der Krise zähle der gezielte Einsatz des Marketing-Budgets. "Man sollte nicht weiter nach dem Gießkannenprinzip verfahren." Ebenso solle man die bisherigen Maßnahmen einer genauen Prüfung auf Effizienz und Nachhaltigkeit unterziehen.

 

Ich muss sagen, das hat uns hier ein wenig stutzen lassen. Kann man doch aus dieser Aussage ableiten, dass es bisher anders gelaufen sein muss. Wir würden unseren Kunden auch in guten Zeiten nicht empfehlen, nach dem Gießkannenprinzip zu verfahren oder Maßnahmen durchzuführen, ohne sie nachher zu prüfen.

 

Wir meinen, Kommunikations-Maßnahmen sollten grundsätzlich zielgruppengerecht und zielgerichtet erfolgen. Ebenso sollte eine Effizienz-Prüfung nie fehlen. Das kann man uns sicher hoch anrechnen. Aber was erzählen wir jetzt bloß zum Thema Rezessions-Marketing?

Kerstin Dressen(kd@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Kerstin Dressen

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