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05.12.2009
16:47

Toleranz: Es besteht noch Hoffnung

Toleranz: Es besteht noch Hoffnung

Da habe ich gerade gehört, dass es, außer einigen wenigen mir bekannten Leuten, auch noch andere gibt, die sich vorstellen können nicht wirklich alles zu wissen! Also Leute, denen es – wie mir auch – unglaublich stinkt, Unwissen gleich kostenpflichtig zu verfolgen. Konkret geht es um die aktuelle Petition gegen den Abmahn-Wahn, der besonders im Internet um sich greift. Dass dieser hauptsächlich dazu dient, unterbeschäftigte Anwälte zu ein wenig Einkommen zu verhelfen ist zwar allgemein bekannt. Bisher hat aber noch niemand, der die Kompetenz dazu hat, etwas dagegen unternommen.

 

Die Frage ist doch, ob es sein muss, dass ein Jurastudium zum Teil einer durchschnittlichen Allgemeinbildung gemacht wird. Denn nur dann wird sich jeder auch wie selbstverständlich im Marken- und Persönlichkeitsrecht auskennen. Und sich dann so äußern, wie es heute (leider) üblich geworden ist: Viel reden (also präsent sein) und nichts Konkretes sagen (also keine Angriffsfläche bieten) und in alle Richtungen offen bleiben.

 

Jedem Menschen, dem es einfach zu blöd ist, die Folgen seiner Kommunikation vor ihrer Veröffentlichung juristisch überprüfen zu lassen, sei diese Petition empfohlen. Dort finden sich Menschen zusammen, die offensichtlich wichtigere Dinge zu tun haben. Und denen Abmahnungen aus nichtigen Gründen, formuliert und in die Welt gesetzt von profitgierigen Rechtsanwälten, richtig auf den Keks gehen. So wie mir auch.

 

Denn eigentlich nimmt unsere Gesellschaft doch für sich in Anspruch, tolerant zu sein. Und es wäre gut, wenn man sein Recht – egal welches, Marken-, Personen- oder was für ein Recht auch immer – auf Basis von gegenseitigem Respekt und Toleranz in Anspruch nimmt. Denn es geht hier nicht darum, Rechte zu verweigern, sondern das Recht zielführend zu praktizieren.

 

Und kosten-unpflichtige „Hinweise“ statt kostenpflichtige „Abmahnung“ sind sicher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Rainer Plum(pl@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Rainer Plum
04.11.2009
09:56

Tschüss, Preisdruck?!

Tschüss, Preisdruck?!

Na klar, das ist doch logisch: Da war 'ne tolle Neuigkeit in meiner Mailbox. Da fragt mich heute (nach ca. 30 Jahren in dem Geschäft) jemand, ob „ich die aktuelle Krise auch merke?“ Und ob „ich schon den Kostendruck von allen Seiten spüre?“ Oder ob „ich im Preiskampf mit meinen Wettbewerbern stehe?“ Und ob „ich nach Anregungen suche, im Verdrängungs-Wettbewerb nicht auf der Strecke zu bleiben...?“


Hallo? War ich die letzten 25 Jahre nicht auf dieser Welt? Wir alle haben es jetzt lange und oft genug gehört und es hängt mir zum Hals heraus. Denn es ist tatsächlich der älteste Hut, den man finden und sich aufsetzen kann.


Aber: Der junge Mann hat für alle meine Problemchen das Heilmittel schlechthin gefunden. Er nimmt einfach das auf, was die Werber immer wieder den Kunden ihrer Kunden auch sagen: Rückt ein paar Euros raus (das nennt sich dann „Investment“), dann könnt selbst ihr Probleme lösen, die Ihr ohne das Investment nicht hattet.


Das ist doch genial! Einfach eine Kiste mit Software kaufen, und schon ist alles prima. Der Laden brummt und die Welt ist in Ordnung...! Wie schon gesagt – irgendwie habe ich die letzten mehr als zwei Dekaden auf einem anderen Planeten verbracht.


Also nochmal fürs Poesie-Album: Keine Software dieser Welt löst Probleme. gelöst werden die mit Ideen und Einfällen. Oder auch einfach mit guter Arbeit. Weiterhin schützt eine Software auch nicht vor Preisdruck im Wettbewerb. Es sei denn, diese Software wird von den Leuten benutzt, die sich ansonsten mit der „Eh da“ - Kalkulation* über Wasser halten. Andererseits könnte es natürlich auch sein, dass der Preisdruck vielleicht durch eine gleich geschaltete Kalkulation mittels standardisierter Software zustande kommt.


Wie wäre es denn mal mit einem anderen Ansatz:
Konzentration auf das, was für jeden unserer Kunden besonders attraktiv sein sollte. Gut gemachte Kommunikationsarbeit!


Dann stellt sich nur noch eine einzige Frage: Gibt es denn auch Kunden, die daran noch interessiert sind? Oder ist auch dieser Markt schon so ausgetrocknet, dass man auch hier lieber an den Symptomen herum werkelt, statt sich mit den (teilweise durchaus schmerzhaften) Ursachen zu beschäftigen.


Aber statt Lotto zu spielen, können wir (die Zunft der Kommunikationies) dann die Kohle schon besser in Software stecken. Dann haben wir es ja wenigstens nachvollziehbar und abschreibbar versucht.


Also ich verreise jetzt lieber wieder, zurück in die Zukunft. Irgendwie bin ich derzeit dann doch auf dem falschen Planeten.



* „Eh da“ - Kalkulation kommt aus dem Rheinischen und steht für alle, die immer noch der Meinung sind, ihre Mitarbeiter und jede Form von Equipment sei ja „eh da“ und in sofern nicht kostenrelevant.

Rainer Plum(pl@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Rainer Plum
16.10.2009
12:55

Mindestlohn für Unternehmer?

Mindestlohn

Ich denke es ist an der Zeit mal den Aspekt Mindestlohn anders zu beleuchten. Und zwar aus der Sicht eines selbständigen Unternehmers. Als Unternehmer habe ich ja bekanntlich jede Menge Freiheiten: Die Freiheit, viel Geld zu verlangen, zu tun was ich will, zu kommen und zu gehen wann ich will, kann Urlaub machen so viel und wann ich will...

 

Soweit die Theorie. Die Realität sieht ein wenig anders aus. Erstens muss ich als Unternehmer dafür sorgen, das mein Angebot in den Markt passt: Qualitativ passend, der Nachfrage entsprechend, preislich passend ... uppps, spätestens jetzt wird es schwierig. Denn wir leben – von Ausnahmen einmal abgesehen - in kompetitiven Märkten. Und da bestimmt – in aller Regel mangels weitergehender Beurteilungsqualifikation - der Preis den Wettbewerb. Schließlich haben wir von der Kommunikationsgilde ja kräftig dazu beigetragen, den Preis für den Käufer zum Maß der Dinge zu machen. Denn Geiz ist geil, oder wie war das noch?

 

Was das alles mit dem Mindestlohn zu tun hat? Erklärt sich gleich. Wir haben bei den Käufern aus meiner Sicht zwei grundsätzliche Strömungen, die sich tatsächlich unversöhnlich gegenüber stehen: Die einen, die sich die Mühe machen ein Angebot qualifiziert zu betrachten. Das sind Leute (ja es gibt sie noch), die sich darüber im Klaren sind, dass man für eine Leistung grundsätzlich auch bezahlen muss. Und zwar angemessen. Und diese Leute wissen auch, dass man zusätzliche Leistungen selbstverständlich auch zusätzlich entlohnen muss (denn wer macht schon freiwillig kostenlos Überstunden). Per Ergebnis kann der Anbieter dann auf Grund seiner Leistung überleben (braucht also keinen öffentlichen Sponsor oder Mäzen). Und demnach auch keinen Mindestlohn.

 

Und dann gibt es da noch die anderen: Die interessiert nicht, ob jemand mit dem Erlös aus dem angebotenen Job klar kommt oder nicht. Die argumentieren mit dem globalem Markt und der eigenen Wettbewerbssituation. Denen sei gesagt, der Spruch „Ich finde immer jemanden, der es für den Preis macht“ war und ist falsch. Denn vermutlich kaum einer von denen hat schon mal versucht, in China oder Bangladesh ein Layout machen zu lassen. Nichts gegen die Kollegen dort vor Ort. Aber im Kern liegen zwischen hier und dort tatsächlich Welten.

 

Aber diese Sprüche zeigen Wirkung. Je mehr Angst man um seine Existenz hat, desto schneller neigt man dazu nachzugeben. Also zieht man sich auf die „Eh da“-Kalkulation zurück und sagt sich immer wieder, dass der Spatz in der Hand eben besser ist als die Taube auf dem Dach. Dumm nur, dass da eigentlich nicht mal mehr ein Spatz ist.

 

Wie sagte mir letztlich ein Kollege: „Es macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn, für bekannte Marken zu arbeiten. Da legst Du immer drauf. Aber es ist gut für die Referenzliste.“ Ja prima. Ich denke es wäre besser, wenn wir diesen Kunden mit direkten Subventionen helfen würden. Dann könnten wir auf der anderen Seite wiederum vernünftig bezahlt werden. Unter dem (finanziellen) Strich kommt zwar das gleiche heraus, aber das Selbstwertgefühl von manchem Dienstleister würde enormen Auftrieb erhalten.

 

Aber so ist es nicht, und so wird es auch nicht sein. Denn die Subventionen werden kassiert und die Preise trotzdem gedrückt. So wie eben auch schon jetzt an vielen anderen Stellen in der Wirtschaft. Wir (jetzt meine ich uns, den Staat) finanzieren den Lebensunterhalt von vielen, damit einige ihr Preisdumping bei den Löhnen fortsetzen können.

 

Es gibt für diese Entwicklung aus meiner Sicht zwei einfache Gründe: Erstens gibt es irgendwo immer einen, der entweder seine Schmerzgrenze (noch) nicht ermittelt hat oder sie schlicht nicht wahrhaben will. Und der wird den Job für den geforderten Preis machen. Da kann man nur geduldig warten, bis es zu Ende geht. Es sei denn man hält es wie bei den Lemmingen: Einer springt in den Abgrund, die anderen blindlings hinterher. Der andere Grund könnte vielleicht sein, dass wir eine Leistung bieten, die der Markt eigentlich gar nicht mehr braucht. Oder vielleicht einfach nicht mehr „so wie bisher“ braucht?

 

Ganz ernsthaft: Ich bin 1000%ig davon überzeugt, dass Kommunikation immer gebraucht wird. Denn Menschen müssen kommunizieren, sonst gehen sie ein wie eine Primel. Und wir brauchen mehr Qualität in der Kommunikation, was auch immer das im Detail bedeutet. Wenn also die Gruppe derer, die sich in keiner Weise um die Ausgewogenheit von Preis und Leistung scheren wollen, weiter zunimmt, dann brauchen wir demnächst nicht nur einen Mindestlohn für Angestellte und Arbeiter sondern auch einen Mindestlohn für Dienstleister. Sonst wird das nichts mehr mit der Qualität. Es sei denn, immer mehr von uns sagen „Danke, dann mach Deinen Kram doch einfach selbst“ wenn uns jemand mit seinen Schweinepreisen oder unverschämten Forderungen kommt.

Rainer Plum(pl@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Rainer Plum
22.09.2009
10:29

Reichweite neu definiert

Reichweite neu definiert

Das Thema Wahlmüdigkeit ist ja nun hinlänglich diskutiert und offensichtlich jetzt auch beim Klerus angekommen. Mir erschließt sich zwar nicht, warum der Klerus da was zu sagen sollte (z.B. wg. Trennung von Kirche und Staat etc.), aber das spielt ja offensichtlich keine Rolle. Denn – wie man hier gut sehen kann – sieht man nix.

 


 

Da hätte ich dann mal ein paar Vorschläge für die verantwortlichen „Men in Black“: Vielleicht sollten sie beim nächsten Versuch mal jemand fragen, der sich mit visueller Kommunikation auskennt. Damit wäre zumindest gewährleistet, dass die Botschaft überhaupt wahrgenommen werden kann. Im Weiteren sollte man dann vielleicht vermeiden, zu plump auf das Kreuzchen in der ersten Zeile zu verweisen (Wer steht da noch auf den Wahlzetteln? Die CDU? Oder wird das gewürfelt?).


Aber das Ganze hat natürlich auch sein Gutes: Da der Kirche ja derzeit die zahlenden Mitglieder massiv abhanden kommen, wäre es auf jeden Fall sicher eine gute Einnahmequelle, wenn man die üppigen Fassaden der grundsätzlich als Werbeflächen vermieten könnte. Falls erforderlich bin ich gerne bereit den Verantwortlichen im Seelengeschäft die notwendigen Kontakte zu nennen – Ströer und Co. werden sich sicher darüber freuen. Aber das finden die bestimmt auch selbst beim googlen heraus.


Falls dahinter keine kommerzielle Absicht steckt, sollte so etwas besser einfach nicht stattfinden. Denn tendenziell driftet das doch ziemlich Richtung Peinlichkeit oder „Gewollt, aber nicht gekonnt“. Aber auch das kann man positiv sehen: Offensichtlich gibt es doch mit Sicht auf Kommunikation keinerlei Unterschied zwischen geistlichen und dem sonstigen Durchschnitts-Entscheider. Denn dem fehlt ja bekanntlich schon sehr länger die richtige Form der Erleuchtung.

Rainer Plum(pl@plum.de)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: Rainer Plum

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